Flüchtlingskrise – Wir schaffen das!

Eine kritische Betrachtung von Freerk Huisken zur „Flüchtlingskrise“:

„Wir schaffen das!“, beteuert Kanzlerin Merkel.
Was denn eigentlich?

1.

Es ist schon bemerkenswert, dass sich die Kanzlerin mit dem mehrfach und in Varianten bekräftigten, eingedeutschen Obama-Parole: „Yes, we can!“ einem Gegenstand der deutschen und europäischen Politik widmet, der in der Vergangenheit eher mit zurückhaltenden und defensiven Sprüchen bedacht worden ist; mit Sprüchen, die davon Zeugnis ablegen, dass man es bei den Flüchtlingen mit einer Last zu tun habe, die man sich am liebsten vom Halse schaffen würde. Jahrzehntelang ist die Bevölkerung mit Unterstützung der Presse – BILD voran – entsprechend eingestimmt worden: Das Boot sei voll, hieß es, die Flüchtlinge würden nicht „zu uns“ passen, würden „uns“ die Arbeitsplätze wegnehmen und mit Parallelgesellschaften die Einheit der deutschen Landesbevölkerung stören. Außerdem, wurde regelmäßig hinzugefügt, könne Deutschland nicht das „Sozialamt der Welt“ sein; es sei schon mit den einheimischen Hilfsbedürftigen ziemlich gefordert. Nicht, dass diese Hetze aus der Welt ist: Sie hat nachwievor ihren Ort in der Pegida-Bewegung, der AfD und der CSU. Aber von der Kanzlerin und ihrer Regierung ist Derartiges erst einmal nicht zu hören.
Was will sie denn nun mit ihrer Großen Koalition schaffen? Was sind die politischen Gründe für den politischen Kurswechsel? Ist es überhaupt ein 180-Grad-Kurswechsel, wie Til Schweiger, Herbert Prantl, Pro Asyl und andere moralische Instanzen hiesiger Öffentlichkeit kundtun?

2.

Diese Frage haben Teile der Öffentlichkeit schnell beantwortet; besonders die ehemals der regierungsamtlichen Flüchtlingspolitik gegenüber kritisch eingestellte Journaille, Teile der Flüchtlingsbewegung und jene Bündnisse, die Deutschland bunt statt braun haben wollen. Mit der kurzfristigen Öffnung der Grenze zwischen Österreich und Deutschland registrieren sie eine „Flüchtlingspolitik der offenen Arme“ und loben Angela Merkel dafür, dass sie endlich beginnen würde, mit einer Politik ernst zu machen, die dem wahren Deutschland und einem „Werte-Europa“ entspreche: Hilfe, die an der verzweifelten Lage der Flüchtlinge und ihrer „menschenunwürdigen“ Behandlung Maß nimmt, dabei auch mal, wenn es nötig ist, vereinbarte innereuropäische Grenzregelungen außer Kraft setzen und Flüchtlingen die Perspektive von Aufenthalt, Bleibe und Integration eröffnen würde. In der Tat spricht Merkel all diesen Deutschen aus der Seele, wenn sie verkündet: „Ich muss ganz ehrlich sagen: Wenn wir jetzt anfangen, uns noch entschuldigen zu müssen dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land.

Ist das vorstellbar, dass die Regierungschefin eines der dominantesten Länder der Erde, die die Flüchtlingspolitik ab sofort zur zentralen politischen Aufgabe nicht nur in Deutschland und Europa erklärt, die alle Mächtigen der Welt aufruft, sich daran zu beteiligen, die dafür Milliarden locker machen will, wirklich nur „ein freundliches Gesicht“ zeigen, nur die „Arme öffnen“, nur der Samariter für die Verfolgten, Vertriebenen, Ausgebombten und Verarmten der Welt sein will? Dieselbe Kanzlerin, die noch vor kurzem der griechischen Syriza ein „Reformpaket“ auferlegt hat, unter dem große Teile der griechischen Bevölkerung kaum noch „menschenwürdig“ existieren können? Dieselbe Kanzlerin, die jüngst dem ehemaligen Kanzler Schröder explizit für sein Verarmungsprogramm „Agenda 2010″ gedankt hat, mit dem die deutsche Wirtschaft in der innereuropäischen Konkurrenz fast alle Staaten abgehängt und in Schuldenkrisen gestürzt hat? Usw.

3.

Es muss sich um ein falsches Bild handeln, das sich deutsche Flüchtlingsfreunde machen…

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2 Antworten auf „Flüchtlingskrise – Wir schaffen das!“


  1. 1 Pauli 06. April 2016 um 14:11 Uhr

    Schopenhauer notierte einst: „Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein. Hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen.“

    An das Schopenhauer-Zitat möchte ich anknüpfen. Wenn einer nichts wirklich zu melden, nichts reelles anzumelden hat, dann kann er sich immer noch auf eins berufen: sein Deutschsein. Darauf habe die Regierung gefälligst zu hören! Ist man schon auf Verderb und Gedeih auf seine Staatsangehörigkeit festgenagelt, dann hat die auch was zu gelten – wenn kaum etwas für einen selbst, dann doch wenigstens einiges gegen andere – Außenstehende, Fremde, nicht zu uns Gehörige! Wäre er Materialist, könnte und würde er jede Menge beanstanden, was die Vernachlässigung seiner praktischer Interessen betrifft. Als Nationalist hingegen verfällt er auf die billige Tour, wie sie in der Tat trostloser kaum ausfallen könnte, nämlich auf etwas, was gar nicht seine Leistung, eher sein Verhängnis ist – deutscher Staatsbürger zu sein!

    Darin hat jeder in seinen Augen den letzten, ihm verbleibenden Beschwerdegrund aus der Schatztruhe der Menschenrechte herausgekramt und hält damit den obersten Einspruchstitel eines gleichberechtigten Bürgers in den Händen, nach dem die Herrschenden zu parieren hätten. Wohlwissend, dass die Machthaber naturgemäß eh nicht auf einen hören, hat man die Etablierten mit der Wahl einer Protestpartei ein wenig verstimmt und selbst ordentlich Dampf abgelassen. Die Genugtuung, „es denen da oben mal gezeigt zu haben“, ist bei nüchterner Betrachtung schal, denn diesen Ärger wegzustecken, ist eine unentbehrliche Qualifikation eines jeden Politikers. Dem Inhalt der Beschwerde entnimmt der Volksvertreter nur, dass die Untertanen ihre Botschaft, du bist unverbrüchlicher Teil der Nation, bis ins Mark aufgesogen haben; die kleinen Deppen wollen mehrheitlich nur noch nicht begreifen, dass man als humanistische Großmacht keine schlechten Worte über die Menschenopfer imperialistischer Machtbestrebungen verlieren darf, sondern nur großzügige Gesten übrig zu haben hat.

    Diese Nachricht ist bei den Wahlurnengängern noch nicht vollständig angekommen. Die abtrünnigen Volksgenossen glauben in der hier anerkannten Wertegemeinschaft, in ihrem Kultur- und Sprachraum und der entfernten Blutsverwandtschaft einen echten Interessenverband finden zu können, indem die Unangepassten, weil von draußen kommend – einer exotischen Kultur entstammender und einem unorthodoxen Glauben gehorchender Menschenschlag – aussortiert werden. Sollte das die Triebfeder des Volksaufstands sein, heißt es nicht „Gute Nacht, Deutschland“, sondern fröhliche Wiederauferstehung selbstvergessener Vaterlandsfreunde. Ausgerechnet seine Geburtsurkunde hochzuhalten gegen jene Instanz, die sie ausgestellt hat und damit die versammelte Mannschaft zu ihrem Schaden in einen ewigen, gnadenlosen Wettstreit gegen den Rest der Welt setzt, ist wohl der größte Ausdruck an Verleugnung seiner selbst, den jemand vollbringen kann. In Anlehnung einer Textzeile aus Janis Joplins bestem Song „Me and Bobby McGee“ verbleibend: Patriotism is just another word for nothing left to lose!

    Freerk Huisken hat noch einen Text nachgereicht mit einer Sottise gegen das jüngste Credo der Menschenfreunde: Nach der unvoreingenommenen Willkommenskultur – trotz Abschiebung und Abgrenzung keine Abschiedskultur, sondern – eine Willkommenskultur mit Augenmaß – ein rundherum sauberer Nationalismus.

    :arrow:  Huisken über die Flüchtlingskrise – Wir schaffen das trotzdem!

  2. 2 Lupinchen 09. Juli 2016 um 14:51 Uhr

    Wieder ein mal ist ein schwarzer US-Amerikaner von einem Polizisten erschossen worden. Bei einer Verkehrskontrolle am 6.7.2016 in Minnesota streckte der Cop den im Fahrzeug sitzenden Mann mit 4 Schüssen durch das offene Wagenfenster nieder. Einen Tag zuvor wurde in Louisiana ein Schwarzer, der vor einem Supermarkt CDs verkaufte, von Cops zu Boden gerungen und mit gezielten Schüssen in die Brust getötet.

    „Zum wiederholten Mal wird die Frage laut, was geschehen wäre, wenn die Opfer weiß gewesen wären.“ (Süddeutsche Zeitung). Gemeint ist natürlich, ob es unter ähnlichen Umständen aber mit anderer Hautfarbe zu diesem Gewaltexzess gekommen wäre. Die Anti-Rassismus-Bewegung schreibt anlässlich dieser Tötungen auf ihre Protestschilder:

    Black Lives Matter und No justice, no peace

    Was das schwarze Leben wirklich zählt und warum ausgerechnet die Grundrechte „Freiheit, Gleichheit und Eigentum“ den Unfrieden zwischen Polizei und Schwarzen stiften, versucht Arian Schiffer-Nasserie in einem Artikel zu klären, der vor ungefähr einem Jahr in der Tageszeitung „junge Welt“ erschienen ist:

    :arrow:  Schiffer-Nasserie: Warum US-Polizisten schwarze Bürger töten

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